Donauradweg von Passau nach Wien

–Der Klassiker- die Radlerautobahn von Passau nach Wien

Samstag, 29.08.2020
Wir fahren mit dem Wohnmobil nach Passau. Hier treffen wir uns mit Rosi und Johannes, die aus der Eifel hierher kommen, um mit uns von Passau nach Wien zu radeln.
Wir treffen uns in Hals am dritten Gewässer der Drei-Flüsse-Stadt Passau, an der Ilz im Bereich der Triftsperre. Hier wurde in früheren Zeiten, (vor der Eisenbahnzeit) das Holz gesammelt zum Transport über das Wasser nach Passau. Im Gegensatz zum Flößen wird das Holz als einzelne Stämme „getriftet“. Die Ilz wurde gestaut und damit genug Kraft für den Vorgang erzeugt.

Sonntag, 30.08.2020
Heute bummeln wir erstmal durch Passau. Leider regnet es und somit fällt der Stadtbummel kurz aus.

Am späten Nachmittag vergnügen wir uns mit dem alten Eifler Kartenspiel „Sieweström“.
Montag, 31.08.2020
Heute geht’s los. Die Wetterprognose ist feucht. Wir sind gewappnet und radeln zunächst an der Ilz entlang bis zur Mündung in die Donau. Und dann rollen die Räder sehr entspannt und gemütlich auf dem flachen Donauradweg. Links der Donau gelangen wir zügig bis Obernzell. Hier gibt es ein Schloß mit schönem Garten aber leider keinen Kaffee.
Weiter führt der Weg durch das Naturschutzgebiet Donauleiten bis zum Jochensteinfelsen, der als Sitz der Donaunixe Isa gilt, eine Schwester der Loreley. Mit der Radfähre setzen wir über nach Engelhartszell. Zunächst schauen wir uns die Gemeindekirche samt Friedhof an, danach die Klosterkirche. Gegründet als Zisterizenerkloster ist es heute das einzige Trapistenkloster Österreichs. Eine sehr barocke Kirche sehen wir, in den Seiten-Nischen Glassärge mit Skeletten längst Verstorbener in prächtigen, reich geschmückten Kleidern. Etwas makaber. Das Deckengemälde wurde im Stil des 20. Jahrhunderts neu gestaltet, nachdem das Gewölbe beschädigt und einsturzgefährdet war.

Ganz nahebei lud ein nettes kleines Bistro zur Pause ein.
Wieder per Fähre zurück auf die linke Seite der Donau. Ein meditativer Weg und schon naht die Donauschlinge. Wir setzen über und können so wunderbar die Flussschleife sehen. Und schon sind wir in Haibach, Ortsteil Inzell, im Haus St. Nikolaus, wo wir heute übernachten. Der Service ist klasse, es gibt in der Fahrradgarage abschließbare Fächer mit je zwei Steckdosen zum Akkuladen!
Wir verbringen einen gemütlichen Abend und spielen….. SiebenströmJ
51 km


Dienstag, 01.09.2020
Die ganze Nacht hat es geregnet. Gegen 9.30 Uhr fahren wir los. Leider tröpfelt es immer noch ein wenig, aber das beeinträchtigt uns nicht. Der Weg am Fluss entlang ist breit, geteert und eben, es rollt! Links der Fluss, rechts grün. Ein Frachtschiff begleitet uns sozusagen. Es ist vollbeladen mit nagelneuen Transportern und flott donauabwärts unterwegs.

So gelangen wir nach Aschach und zur Kaffeepause im Cafe am Plazerl, eine Musikbar mit alternativen Tatsch. Die österreichischen Kaffeespezialitäten sind eine Herausforderung. Es gibt Braunen, Hauscafe mit unterschiedlichen Milchmengen und unterschiedlichen Namen, Cappuccino und sonst noch einiges. Wir wissen vielleicht am Ende der Reise, welchen Kaffee wir mögen.
Gestärkt geht’s weiter, über die Brücke auf die linke Seite der Donau. Auch hier ist der Weg meditativ, nur ist nun das Grün links und der Fluss rechts ;).
So gelangen wir nach Linz, eine moderne Großstadt und in unsere Pension Antica Locanda in der Mariahilfsgasse.

In der Stadt werden wir begrüßt von einer hohen, golddekorierten Säule. Wir schlendern durch die Gassen der Altstadt, schauen uns den alten Dom an (1653 errichtet), bewundern die vielen schönen Fassaden und entdecken ein gut sortierten Stoffgeschäft.


Abendessen genießen wir im Lokal unserer Unterkunft, eine Pizzeria vom Feinsten! Viele Einheimische Speisen hier, scheint ein Geheimtipp zu sein.
54 km


Mittwoch, 02.09.2020
Gestärkt mit einem guten Frühstück radeln wir heute wieder auf dem Treppelweg (Treidelpfad) links der Donau. Eine neue Brücke entsteht in Linz und die Umleitung für Radelnde ist perfekt organisiert! Hier merkt man deutlich, welche Wertstellung die Radkultur genießt.

Der Weg ist wieder sehr meditativ, eine freundliche Umschreibung für: rechts Wasser, links grün.
An der Staustufe wechseln wir die Seite und machen einen Abstecher nach Enns. Heute ist Markttag und entsprechend einiges los. Wieder gibt es schöne Hausfassaden zu bewundern!
Mittig auf dem Platz erinnert ein Turm mit schöner Sonnenuhr an die Verleihung der Stadtrechte im Jahr 1221.


Mit der Radlerfähre gelangen wir nach Mauthausen. Traurige Berühmtheit erlangte der Ort, weil in der Nähe ein KZ war. Heute ist dort eine Gedenkstätte.
Zügig radeln wir weiter und genießen den meditativen Weg. Nicht mal auf der Donau ist was los, ein einziges Frachtschiff fährt flussaufwärts, viel später noch ein Hotel-Ausflugsschiff.


Vorbei an Mitterkirchen erreichen wir eine Jausenstation. Hier gibt es ein kleinstes Angebot an Futter für hungrige RadlerInnen, Getränke und Eis. Ladestation, Werkzeug, Müllsammelstelle nur für Radfahrende! und Toiletten. Liegestühle laden zum Entspannen ein, perfekt!

Nun radeln wir durch eine Auenlandschaft und wieder zur Donau bis Grein. Hier ist der Strudengau, weil die Felsen im Wasser zu heftigen Verstrudelungen führten. Ein Kaiser ließ einen besonders gefährlichen Felsen sprengen und bekam dafür eine Gedenktafel an der Felswand.
Ein Bummel durchs Städtchen führt uns zum ältesten, noch bespielten Theater Österreichs bzw im deutschsprachigen Raum.

Zauberhaft anzusehen, im Fundus die alten Kostüme, viele Hüte für die verschiedenen Epochen. Der Zuschauerraum mit großem Balkon und schöner Bemalung. Es gibt Sperrsitze! Die Sitze sind zum Hochklappen und Abschließen. Abonnenten bekamen die entsprechenden Schlüssel. Sogar ein Abort ist integriert hinter einem Samtvorhang. So konnte man bei der Verrichtung dennoch das Geschehen auf der Bühne verfolgen!
Die Suche nach Essen gestaltet sich etwas mühsam, weil wir weder Imbiss noch Pizza wollen. Im Gasthaus zur Traube wird landestypische Kost angeboten. Beilriedscheibe und Eierschwammerl wählen wir aus.
Zum Abschluß des Tages gibt es einen Kräuterlikör in der Unterkunft La Vita.
71 km

Donnerstag, 03.09.2020
Auf der falschen Seite, links des Flusses, fahren wir rasch ca 20 km bis Persenbeug. Es ist ätzend, da direkt an einer stark befahrenen Straße und meist ohne Radstreifen. Nach der Kaffeepause wechseln wir die Seite und gelangen nach Ybbs mit seiner netten Altstadt. Früher gab es hier sogar eine Linie „Elektrische“, weil man unbedingt den Anschluss an die neue Zeit und die Eisenbahn behalten wollte.


Unser nächstes Etappenziel ist Melk mit der berühmten barocken Stiftsanlage. Der Weg dorthin führt bergauf und im großen Bogen zum Parkplatz für Räder. Dort angekommen stellen wir fest, dass wir einen großen Umweg gefahren sind. Das Benediktinerkloster ist eine riesige Anlage, schön anzusehen, top gepflegt. Bibliothek, Museum, Gartenanlage, Kirche – alles zu besichtigen fehlt uns die Rechte Begeisterung. Das Seitenschiff der Kirche kann kostenlos besichtigt werden und wir werden überwältigt von all der Pracht mit reichlich Goldverziehrung. Die sog. Sommersakristai dagegen ist schlicht und wir stellen Kerzen mit Segenswünschen für unsere Lieben auf.

Wieder in der Stadt genießen wir unsere Pause. Dann stellt Rosi fest, dass ihr Geldbeutel nicht mehr da ist, oh Schreck. Rasch eilen Rosi und Manfred die vielen Stufen des Fußweg nach oben um nach dem Geldbeutel zu suchen. Er wurde abgegeben, es fehlt nichts und die Erleichterung ist groß!!!
Die restliche Strecke bis zum Lechnerwirt in Aggsbach Dorf ist rasch geradelt. Der Wirt begrüßt uns mit seinem knapp sechs Wochen alten Enkelkind auf dem Arm. Das Gasthaus ist solide, überall hängen Trophäen eines Jägerlebens und ausgestopfte Tiere. Die Zimmer sind sauber, ordentlich und im Stil der frühen 80er Jahre. Das Essen gut. Wir genießen den Abend und spielen Siebenström.
69 km


Freitag, 04.09.2020
Von oben grüßt die Burgruine Aggstein als wir uns wieder auf den Weg machen. Wir werden im Fluss des Radelns behindert durch viele Baustellen von Hochwasserschutzanlagen. Vorbei an sehr vielem japanischen Springkraut erreichen wir gerade im rechten Augenblick die Fähre nach Spitz. Der Fuhrmann öffnet für uns nochmal die Absperrungen und wir gelangen mit der Gierfähre auf die andere Seite. Durch einen Fugängertunnel (Manfred muss den Kopf einziehen 🙂 ) fahren wir hoch zur sehenswerten Kirche. Leider wird sie renoviert, es gibt nix zu sehen.

Unser nächstes Ziel ist Dürnstein, das Cochem der Wachau. In einem Lied von Georg Kreisler singt er davon, dass „die Donau grad bei Dürnstein doch so wunderschön“ sei. Die Abtei samt Kirche kostet relativ viel Eintritt, so dass wir nur den brocken Innenhof besichtigen. Über den Portalen sind Figuren zu bewundern. Die vier Jahreszeiten, vier! Erteile sind dargestellt und noch so einiges. Ein großer Spiegel ist so aufgestellt, dass die Fotografierenden sich vor dem Portal stehend ablichten können.
Unsere Pause steht heute unter österreichischen Speisen. Blutwurstgröstel, Winzerschnitte mit Speck, Wurst und Spiegelei und ein Mohnzelt aus Kartoffelteig, alles lecker!

Wir lassen Krems links liegen und müssen über eine „Schnecke“ unter der Autobahn auf die andere Seite. Es ist wieder eine meditative Strecke durch eine Auenlandschaft mit viel Springkraut.

Die sehr invasive Pflanze ist wunderschön anzusehen, aber für die heimische Natur schlecht.
Vorbei an Zwentendorf (hier sollte mal ein AKW gebaut werden) gelangen wir an unser Tagesziel Tulln (ohne e!).
In der Privatpension Jarosch sind wir sehr gut untergebracht! Abendessen gibt es mit Life-Musik im S’Pfandl. Lecker und gut
Noch eine Runde Siebenström und wir fallen todmüde ins Bett.
80 km


Samstag, 05.09.2020
Hier sind wir im Nibelungenland. Der Brunnen in Tulln zeigt Kriemhild, wie sie von ihrem Bräutigam Etzel in Empfang genommen wird. In Wien findet dann die Hochzeit statt.
Bald nach dem Start stellt Johannes fest, dass der Akku nicht geladen ist und so kehren wir in einem schönen Gastgarten ein um „Saft zu tanken“. Es gibt mehrere Ladestationen, man ist auf saftlose Radelnde eingerichtet! Nachdem wir gerade vom Frühstückstisch aufgestanden sind, keinen Hunger verspüren Jedoch trotzdem was verzehren wollen, fragt Rosi die Bedienung, ob wir hier das, was wir sonst essen, trinken können. Die nette Frau Floh (Flohs Garten) ist recht verdutzt, als wir fröhlich losprusten.


Die Fahrt durch die Auenlandschft endet an einem „Kruschladen“. Hier gibt es alles, von Porzellan über Stehrumchen bis hin zu Stoffen in großen Mengen, in allen Qualitäten und Preislagen.
Danach besichtigen wir Klosterneuburg. Gerade findet eine Trauung statt, so dass wir die Kirche nur von Ferne ansehen können. Barocke Prächtigkeit gibt es zu bewundern.


Nun gelangen wir ans Ziel der Reise. Wien empfängt uns. Wir finden das gebuchte Hotel Ananas nach einer Fahrt vorbei an der Hofburg und dem Naschmarkt und stellen erfreut fest, dass wir sehr zentral untergekommen sind. Wir beziehen eine Suite im sechsten Stock. Schöne zweckmäßige Zimmer, Badewanne, sep. Toilette.
Abendessen gibt es auf dem Naschmarkt bei Neni, eine Familie mit Wurzeln in Nahost und Europa. Entsprechend ist das Speisenangebot, es geht genauso drunter und drüber wie in einem orientalischen Bazar. Es duftet nach Gewürzen und ich bekomme endlich mal vegetarisches, welches nicht nur aus Kaspressknödeln oder Spätzle besteht. Mamas Meatballs und Jerusalemteller begeistern die beiden Männer, alles lecker.
Eine Flasche Wein und eine Runde Siebenström beenden den Tag.
48 km


Sonntag, 06.09.2020
Wien, natürlich zunächst nach Schönbrunn, der Sommerresidenz der Habsburger. Pracht und Herrlichkeit wurde/wird hier ausgestellt und präsentiert. Zu Kaisers Zeiten gab es mehr als 1000 Bedienstete.
Der weltweit älteste Tiergarten befindet sich hier.
Mit einem Bummelbähnchen werden wir über das riesige Areal gefahren, sehen die Glorietta, die Gewächshäuser im Jugendstil gebaut mit Eisenverstrebungen und viel Glas. Das Gelände ist so groß dass sogar Wildschweine und Rehwild gejagt wurde. Eine Welt für sich, Fürstens mussten nicht befürchten, beim Spaziergang von Kreti und Pleti belästigt zu werden.


Im Cafe gibt es leckeren Apfelstrudel zu ebenfalls fürstlichen Preisen.
Mit dem blauen Hop oo-Hop offbus fahren wir in die Stadt und gehen zum interaktiven Haus der Musik. Hier kann man Töne hören, sehen und spüren. Den eigenen Namen komponieren, dirigieren, die eigene Hörleistung erfahren und vieles mehr. Das Leben und Wirken der bekanntesten Musiker Wiens wird erzählt und mit Musikbeispielen erfahrbar gemacht. Wunderbar ist die einhellige Meinung.


Nun besichtigen wir den Stephansdom, eine riesige frühgotische Kathedrale mit viel barockem Innenleben.
Nach dem Bummel durch die Kärtner Straße, DIE Einkaufsmeile Wiens fahren wir nach Grinzing. Leider ist das Wetter nicht geeignet, um bei Musik und Wein im Biergarten zu sitzen. Dafür finden wir ein Lokal mit Lifemusik, mehr laut als gut. Weiter im Dorf dann endlich das richtige Lokal mit dem Angebot zum Sortenspiel. Fünf verschiedene Weine werden als kleine Weinprobe serviert. Sturm gibt es auch schon (Federweisser), also alles, was die Touris erfreut.

Montag, 07.09.2020
Heute besuchen wir den Zentralfriedhof. Hier liegen die Präsidenten Österreichs, viele Prominente, Künstler, Musiker und die ganz normalen Leute. Einer der größten Friedhofsanlagen Europas. Hier gibt es für jede Religionsgemeinschaft eine eigene Abteilung. Katholisch sowieso, auch alter und neuer jüdischer Teil, die verschiedenen orthodoxen Kirchen, Kopten, Buddhismus, islamisch mit diversen Unterabteilungen, mormonisch und evangelisch!
Viele interessante Grabsteine und ebenso interessante Texte gilt es zu entdecken. Das wohl neueste Künstlergrab ziert ein riesiger Flügel aus weißem Marmor…
Die Kirche ist ein Prachtstück des Jugendstil, insgesamt bräuchte man mehr als Tage, um alles zu sehen.

Stärkung gibt’s im Cafe, danach ruft das Bestattungsmuseum! Den Wienern wird ja rein besonderes Verhältnis zum Tod und Sterben nachgesagt. Hier wird gezeigt, wie eine „schöne Leich“ im 18. Und 19. Jahrhundert gestaltet wurde. Alles musste perfekt sein, bis hin zu Schmuck und Hut. Es gab sogar einen Verleih für Trauerhüte!
Weil der Konkurenzkampf im 19.Jahrhundert zu heftig wurde, hat die Stadt Wien die Bestattung in die Hand genommen, in einer eigenen Firma.
tenzettel aus vergangenen Zeiten waren zu lesen und Kuriositäten wie eine Kerzenspitzmaschine anzusehen, von Totenmasken ganz zu schweigen.
Im Shop gibt es Taschen und T-shirts mit lustigen Sprüchen wie: „ich lese, bis ich verwese“, „ich nasche bis zur Asche“ usw.
Von den Toten wieder ins Leben zur Stadt, zur Hofburg, ins Cafe Landtmann und zurück zum Beine ausstrecken ins Hotel.
Abendessen am Schwedenplatz in einem persischen Lokal, lecker!

Dienstag 08.09.2020
Zum Bahnhof sind nur 2,5 km, der Zug fährt pünktlich los und bringt uns nach Passau. Hier an der Triftsperre bleiben wir noch eine Nacht – wir müssen unbedingt noch Siebenström spielen!

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